Interview

Degree Clothing: Das eco fashion label aus Schwaben

Die beiden Gründer von Degree Clothing, Fabian und Wolfgang, machten sich noch während ihres Studiums in Umwelt- und Verfahrenstechnik auf in die Selbstständigkeit. Heute verkaufen sie erfolgreich fair und ökologisch produzierte Mode die ausschließlich in Europa gefertigt wird. Jede Kollektion wird mit viel Liebe fürs Detail konzipiert. Dabei setzten sie sich oft mit Freunden zusammen um über deren Bedürfnisse an Kleidungsstücken zu sprechen. Da kann durchaus mal acht Stunden nur über ein Sommerkleid diskutiert werden. Ihre Kleidung lässt sich als modern, lässig und funktionell beschreiben. Ihre Kundschaft besteht meist aus jungen Menschen, die aus der Skate- und Surfer-Szene stammen. Aber auch jeder der an nachhaltiger und fair produzierter Kleidung interessiert ist, kommt an degree clothing nicht vorbei.

Brain Food bat um ein Interview und trotz vollen Terminkalenders konnte ich einen der Gründer treffen. Fabian war an diesem Samstag in der kreativen Zentrale in der Augsburger Innenstadt zum Arbeiten eingeteilt. Ihr Büro dient gleichzeitig als ihr Verkaufsraum und ich konnte sehen wie immer wieder Freunde und Kundschaft ein und aus gingen. Mittlerweile läuft es so gut, dass sie sich bald vergrößern müssen. Bei ein, zwei kühlen Rhabarbersaftschorlen sprach man dann über Gott und die Welt und natürlich auch degree.

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Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei euch aus?

Wir arbeiten meist mehr als 40 Stunden die Woche, dabei fühlt es sich nicht immer wie Arbeit an, weil ständig Freunde im Laden vorbeischauen. Dennoch arbeitet man wirklich hart und darf sich nicht durchgehend ablenken lassen. Wer sich Selbständigkeit lässig vorstellt liegt falsch.

Was sind die aufregenden Dinge die euch in eurem Arbeitsleben begegnen?
Wenn wir zum Beispiel nach Bulgarien oder nach Portugal fliegen um Hersteller zu besuchen, um vor Ort die nächsten Kollektionen und Prototypen zu besprechen oder als wir in Fuerteventura zum Fotoshooting waren. Außerdem lernen wir auf Messen immer alle möglichen Leute aus der Ökowirtschaft kennen, dabei tauschen wir Ideen aus und manchmal ergibt sich so auch die ein oder andere gemeinsame Aktion. Wir haben auch Geschäftskunden die sich Shirts bei uns bestellen. Zu diesen Kunden zählen unteranderem Festivals. Da sind wir dann auch mal vor Ort dabei und werden Backstage eingeladen.

Wie kam die Idee zu degree?
Ich war als Kind ein kleiner Pseudoskater und schon immer begeistert von Sportmarken wie Osiris. Nach dem Abi bin ich mit Freunden nach Neuseeland gereist, auf diesem Trip haben wir die Idee zu degree gehabt. Degree ist das englische Wort für Grad und spielt somit auf die steigenden Temperaturen an, die der Klimawandel mit sich bringt. Wolfgang habe ich kurz darauf im Praxissemester kennengelernt und er hat die Idee mit mir dann weitergesponnen. Noch während des Studiums mieteten wir unsere heutigen Räumlichkeiten in der Augsburger Innenstadt an und brachten die erste Kollektion raus.
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Ausschließlich in Europa zu fertigen, das traut sich wegen der hohen Produktionskosten fast niemand. Weshalb habt ihr diesen Weg eingeschlagen und keinen anderen gewählt?

Anders wollen wir nicht arbeiten. Unsere Basis für ein Unternehmen ist die faire und ökologische Herstellung, welche wir im Moment in der EU garantieren können. Jeder Arbeiter in der Lieferkette bekommt faire Löhne, Kinderarbeit wird hier komplett ausgeschlossen. Durch unsere kurzen Lieferwege haben wir auch einen niedrigen CO2-Ausstoß.

Nun seid ihr doch schon fast 2 Jahre im Geschäftsleben, habt ihr an irgendeinem Punkt bereut in die Selbstständigkeit gegangen zu sein?
Nö, nie. Man muss sich zwar viel anhören was alles schief gehen könnte, aber darüber muss man erst mal hinweghören. Natürlich ist es schon hart für uns weil wir keinen Kredit aufnehmen und aus uns selbst heraus wachsen müssen. Wir sind nicht aus der Bekleidungsbranche und haben uns alles selbst aneignen müssen. Aber bereut haben wir es nicht.

Gibt es ein paar allgemeine Tipps die Ihr Neu-Gründern geben könnt?
Gründe noch während dem Studium dein Startup, da hast du die Zeit um dich auf dich und dein Produkt zu konzentrieren. Außerdem findest du im Umfeld des Studiums auch Menschen die vielleicht mit dir gründen wollen. Verschulde dich nicht unsinnig, fang lieber klein an. Stürme nicht einfach blind alleine los, such dir Leute die dich unterstützen, einer kann zum Beispiel helfen bei der Webseite der andere kennt sich mit Logistik aus usw.
Halte dich nicht unnötig klein sondern arbeite stetig am Wachstum deiner Firma, gerade im Studium war es uns möglich viel Zeit und Planung in unser Vorhaben reinzustecken. Knüpfe wichtige Kontakte auch über deine eigenen Stadtgrenzen hinaus. Ein Netzwerk ist wichtig. Lass dich nicht verunsichern von den ganzen Meinungen und Äußerungen die von außen kommen. Hör sie dir an aber lass dich dabei nicht vom Ziel abbringen. Manche meinen Selbstständigkeit bedeutet von niemandem mehr abhängig zu sein, aber auch wir sind von Herstellern und Produzenten in gewisser Weise abhängig. Selbstständigkeit bedeutet nur, dass man sich eher aussuchen kann von wem oder was man abhängig ist.

Und ganz wichtig: Sag deinen Freunden schon mal das du in nächster Zeit vielleicht nicht für jede Party zu haben bist. Gute Freunde verstehen das.

Momentan läuft eine Kickstarter-Kampagne von euch bei der ihr eine Weltneuheit auf den Markt bringen wollt: Die vinyl cap. Könnt ihr uns etwas mehr zur Idee und zum Entstehungsprozess erzählen?
Wir werden öfter gefragt: Wo kommen die Ideen her? Die entstehen einfach so beim relaxen, beim Blödsinn machen. Einmal haben wir aus Jux einen Reisverschluss an ein T-Shirt genäht und das dann zu einer Tragetasche-T-Shirt-Kombo ausgebaut. Die Idee zur #VINYLCAP kam 2015 im Surfurlaub in Frankreich.

 

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Die Cap an sich ist ja schon eine Weltneuheit, aber ihr habt noch ein paar Besonderheiten eingebaut. Was macht sie zur absoluten Rarität?

Stimmt, die vinyl cap ist eine Kappe, die als Visier eine echte Vinylplatte erhält und so etwas hat es bisher noch nicht auf dem Markt gegeben. Welche Platte am Ende als Visier dient bleibt bis zur Auslieferung eine Überraschung. Jede Cap trägt eine Seriennummer und wird dadurch zum individuellen Sammlerstück. Je nachdem welche Verkaufssumme bei der Kickstarter-Kampagne erreicht wird, werden wir die cap in unterschiedlichen Farben produzieren und ausliefern. Außerdem hat der Kunde die Wahl zwischen einer Five-Panel und Six-Panel Cap.

 

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Danke Fabian für deine Zeit und das gute Gespräch! Es sollte mehr Unternehmer geben, die Nachhaltigkeit und Fairness als oberste Priorität sehen. Viel Erfolg euch beiden weiterhin!

Hier findest du die Kickstarter-Kampagne zur Cap und den online Shop von Degree Clothing.
Was hältst du von der Kampagne und den anderen Produkten von degree clothing? Schreibe mir in den Kommentaren!


 

Bilder Copyright: Mit freundlicher Genehmigung von degree clothing

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