10 Veränderungen die du im Ausland wahrscheinlich durchlebst


Mit 24 Jahren schaffte ich es zum ersten mal mich in die Welt hinauszuwagen, mein Elternhaus zu verlassen und das Unbekannte zu erforschen. Zuvor war es einfach zu gemütlich und günstig zur Hälfte bei Hotel Mama und und zur anderen Hälfte bei meinem damaligen Freund zu leben. Mein Auslandsemester in Italien hat mein Leben komplett umgekrempelt. Das war schmerzhaft und glückspendend zugleich. Ähnlich wie bei einer Raupe die zu einem Schmetterling wird. In dieser Metamorphose löst sich die Raupe komplett in all ihre Bestandteile auf. In ihrem Kokon ist sie zeitweilig nur ein wirres DNA-Gemisch, um sich dann zu einem neuen Wesen zu entwickeln das sich vorher nur kriechend fortbewegen konnte und nun aufeinmal fliegen kann. Manchmal muss das Alte sterben, um Platz für Neues zu schaffen.

In diesem Beitrag möchte ich dir erzählen warum es für mich so wichtig war im Ausland zu leben. Vielleicht kannst du dann besser entscheiden ob so eine Erfahrung auch etwas für dich wäre. Im Wintersemester 2011/2012 lebte und studierte ich für sechs Monate in Italien. Dort erlebte ich einen unglaublich heißen September in Perugia, wo ich einen Intensivsprachkurs belegte und darauffolgend fünf Monate Design-Studium in Urbino. Das ist ein kleines historisches Städtchen, auf einem Hügel liegend, in der Provinz Marken. Die Hälfte der Einwohnerschaft bestand aus Studenten du kannst dir also die gute Stimmung dort vorstellen 😉

Hier die 10 Veränderungen die du wahrscheinlich im Ausland durchlebst…

1. Du machst nicht nur eine Reise in ein anderes Land, sondern auch zu dir selbst.

Konfrontiert mit anderen Ess-, Lebens- und Glaubensgewohnheiten wirst du für dich selbst besser erkennen können was du leben möchtest und was nicht. Manches wird dich anwidern – Machogehabe – manches wird dich glückselig machen – Pizza Bianca mit Trüffeln– anderes wird dein Leben völlig auf den Kopf stellen, wie bei mir die sehr lebendige Wohngemeinschaft mit 8 Frauen 😀

2. Du lernst Selbstständigkeit.

Du musst dir deinen Tagesablauf plötzlich neu gestalten und das in einem fremden Land. Manches wird dir vielleicht von deiner Gastfamilie oder deiner Gastuniversität abgenommen aber es bleibt noch soviel zum selbstorganisieren übrig. Wer vorher nicht selbstständig war wird es nach einem Auslandsaufenthalt sicher besser drauf haben.

Das war der Waschsalon im Wohnheim und gleichzeitig ein guter Dating-Spot 😉

3. Du gewinnst Selbstvertrauen.

Wie finde ich mich zurecht in einer neuen Stadt? Wie verständige ich mich in einer anderen Sprache? Du bist in dieser Zeit dazu gezwungen viele kleine und große Hindernisse zu überwinden. Zuerst mag das Unwohlsein und Unsicherheit hervorrufen, aber nach ein paar Erfolgen wirst du merken wie sich die anfängliche Schwäche in Stärke verwandelt.

4. Du findest viele neue Freunde.

Oftmals ist die Veränderung die du durch so ein Erlebnis machst so stark, dass alte Freunde mit deiner Entwicklung nicht mithalten können. Wenn sich jemand nicht mit dir freuen kann über deine neuen Erfahrungen, dann lass ihn oder sie ziehen. Verabschiede dich in Frieden von der Person. Du wirst soviele neue und interessante Menschen kennenlernen, es wird kaum Langeweile aufkommen. Natürlich sind das nicht alle Freunde fürs Leben. Aber manche eben schon.

5. Du spürst aufeinmal, dass du Teil von etwas Größerem bist.

Freunde aus aller Welt zu finden, wird dir zeigen, wie viel du mit den vermeindlich Fremden gemeinsam hast und das viele Grenzen lediglich in unseren Köpfen existieren. Wenn du erst einmal feststellst, dass wir alle die gleichen Probleme und ähnliche Wünsche haben, spürst du dass wir alle Bürger dieser Welt sind und zusammenhalten müssen. Diversität wird dich aufeinmal faszinieren anstatt dir Angst einzuflösen.

6. Du lernst das langsame bewusste Reisen in all seinen Vorzügen kennen.

Wenn du viel Zeit hast ein Land zu auszukunschaften wirst du die Begegnung mit dem langsamen Reisen machen. Dabei hetzt du nicht von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdikeit, vom Zug ins Hotel oder von einem Restaurant zum anderen. Mit etwas mehr Zeit erlebst du ein Land in all seinen Facetten. Die Menschen, die Kultur und die Stimmung lässt sich so am besten wahrnehmen. Du nimmst aufeinmal Umwege in Kauf, nur um festzustellen dass es dort ebenso viel Schönes zu entdecken gibt. So zu reisen ist nicht nur entspannter sondern auch erfüllender.

Das war auf der Isola Maggiore im Lago Trasimeno. Das ist eine kleine Insel die im Trasimeno-See liegt.

7. Du wirst zum Essenzialisten (zumindest ein bisschen).

Viel Gepäck lässt sich auf Reisen nicht mitnehmen, plötzlich musst du entscheiden was du die nächsten 6 Monate anziehen möchtest. Glaub mir, für mich als Frau war das mehr als grauenhaft 😉 aber ich habe daraus auch gelernt, das es kein Weltuntergang ist in zwei hintereinander folgenden Wochen denselben Pulli anzuziehen. Vielmehr versteht man aufeinmal was wirklich wichtig im Leben ist und was nicht. Als ich zurückkam hat mich mein voller Kleiderschrank etwas überfordert und nun bin ich (leider) schon wieder daran gewöhnt ständig alles zu haben.

Essenziell in Italien: Der Aperitivo. Du bestellst abends ein Getränk und bekommst einige Snacks wie belegte Brote, Grissini oder Oliven gratis dazu. Da spart sich der arme Student schon mal das Abendessen. 😉

8. Deine Anpassungsfähigkeit wird sich verbessern.

Du wirst lernen müssen um Hilfe zu fragen, was eine wichtige Eigenschaft ist, um im Leben besser und schneller voranzukommen. Du wirst zum Problemlöser und zum Ideenfinder denn das ist das Einzige was dir in einer unbekannten Situation übrig bleibt. Ich musste lernen, trotz meiner anfangs spärlichen Sprachkenntnisse, auf Italienisch zu sprechen. Am Ende war ich stolzer Besitzer eines B1-Zertifikats, obwohl mein Vorwissen damals eher auf dem Level A1 lag. Ich konnte mich zwar nicht fehlerfrei aber gut und flüssig verständigen. Heute vier Jahre später, kann ich noch sehr gut lesen und das Gesprochene verstehen aber selbst zu sprechen müsste ich erst wieder üben.

9. Du schließt Frieden mit der Ungewissheit.

Fast nie laufen die Dinge wie man sie gerne hätte. Noch weniger wenn man im Ausland auf neue Umstände und eine andere Mentalität stößt. Du wirst lernen müsssen das Unerwartete hinzunehmen. Je mehr Fehlschläge du gemeistert hast, desto mehr lernst du dem Fluss des Lebens zu vertrauen. Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, war es nicht das Ende 😉

Der Wintereinbruch in Urbino war eine harte Zeit für mich. Insgesamt schneite es zwei Wochen lang bis drei Meter Schnee das Leben in der 15.000 Einwohnerstadt lahm legten. Immer wieder ist das Internet ausgefallen und die Uni war für diese Zeit auch geschlossen. Die Langeweile und die Frustration war groß. Wir hatten sogar zwei Tage am Stück weder eine funktionierende Heizung, noch Strom oder Warmwasser. Wir wollten einmal ins Kino gehen um uns abzulenken, da ist am Tag zuvor dessen Dach eingebrochen. Bald darauf kam das Militär um das Dach des Wohnheims freizuschaufeln. Auch wenn es auf den Bildern recht romantisch aussieht, damals hatte ich wirklich keine Lust mehr auf das verdammte weiße Zeug! 😀

Aber irgendwann war auch diese schlechte Phase vorbei und nun hab ich eine nette Geschichte die ich erzählen kann.

10. Du wirst das Leben besser wertschätzen.

Wenn du wieder zurück bist wird dir das Leben wieder mehr wie ein Wunder vorkommen, weil du jede Menge Abenteuer erlebt hast. Du hast Freunde, Familie und vielleicht den Partner für einige Wochen und Monate nicht gesehen aber kannst nun darauf vertrauen, dass auch so eine Auszeit euch nicht auseinander bringt. Plötzlich fallen dir Dinge auf, die für dich immer selbstverständlich waren. Autos halten für dich am Zebrastreifen, der Bus kommt pünktlich und du verstehst jedes Wort weil du wieder in deiner Heimat bist.

Welche Veränderungen wirst du im Ausland machen?

Wenn dich nun die Reiselust gepackt hat und du deinem Entdeckersinn nachgehen willst, habe ich hier noch ein paar Anregungen wie du die weite Welt entdecken könntest…

… als Aupair
… in der Ferienarbeit
… im Auslandsemester
… im Praktikum
… als Animateur
… in der Hotelarbeit
… im freiwilligen sozialen Jahr
… im freiwilligen ökologischen Jahr
… beim work and travel

Eines kann ich dir versprechen, du wirst dieses Erlebnis niemals vergessen und auch noch im Alter gerne auf diese wertvollen Erinnerungen zurückblicken. Ich hoffe dieser Beitrag konnte dir in irgendeiner Weise weiterhelfen und wenn du noch Fragen hast oder auch etwas zum Thema loswerden willst, schreib mir in den Kommentaren!

Alles Liebe,


Sandra Strixner

ist eine Genussweltenbummlerin die gerne neue Länder und Kulturen entdeckt. Rezepte auf Pflanzenbasis zu entwickeln lässt ihr Herz höher schlagen. Sie ist ein Green-Networker und beschäftigt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungslehre und Tierschutz. Als geprüfte Fachberaterin für holistische Gesundheit darf sie Menschen dabei begleiten sich selbst zu heilen.