Die levantinische Küche gehört zu den ältesten und vielfältigsten kulinarischen Traditionen der Welt. Sie stammt aus der Region der Levante, dem östlichen Mittelmeerraum, und umfasst vor allem die heutigen Länder Libanon, Syrien, Jordanien, Palästina und Israel. Aufgrund gemeinsamer historischer, kultureller und landwirtschaftlicher Wurzeln haben sich dort sehr ähnliche Esskulturen entwickelt, die sich über Jahrhunderte gegenseitig beeinflusst haben.
Heute gilt die levantinische Küche als besonders frisch, pflanzenbetont und aromatisch. Viele ihrer Gerichte sind inzwischen weltweit bekannt und haben die moderne Küche stark geprägt.
Geografie und historische Wurzeln
Der Begriff Levante leitet sich vom französischen Wort lever („aufgehen“) ab und bezeichnet den Teil des Mittelmeerraums, in dem die Sonne aus europäischer Sicht aufgeht – also den östlichen Mittelmeerraum.
Diese Region war seit der Antike ein bedeutender Handels- und Kulturknotenpunkt. Verschiedene Zivilisationen hinterließen dort ihre Spuren, darunter:
- Phönizier
- Griechen
- Römer
- Byzantiner
- Osmanisches Reich
Durch Handelsrouten gelangten Gewürze, Gemüse, Getreide und Kochtechniken aus Afrika, Asien und Europa in die Region. Viele Gerichte, die heute typisch levantinisch sind, haben daher eine lange gemeinsame Geschichte.
Typische Zutaten der levantinische Küche
Die Küche der Levante basiert stark auf regionalen, saisonalen Zutaten. Besonders wichtig sind:
Gemüse und Hülsenfrüchte
Gemüse bildet die Grundlage vieler Gerichte. Häufig verwendet werden:
- Auberginen
- Tomaten
- Gurken
- Zucchini
- Paprika
- Kichererbsen
- Linsen
- Bohnen
Diese Zutaten werden oft gegrillt, gebacken, püriert oder als Salat serviert.
Gebackene Kichererbsen mit Kreuzkümmel

Getreide
Getreide spielt ebenfalls eine zentrale Rolle:
- Bulgur
- Reis
- Weizen
- Fladenbrot (Pita oder Khubz)
Brot dient dabei häufig als Besteck, mit dem Dips oder Speisen aufgenommen werden.
Kräuter und Gewürze
Die levantinische Küche ist aromatisch, aber selten extrem scharf. Typische Gewürze und Kräuter sind:
- Petersilie
- Minze
- Sumach
- Kreuzkümmel
- Zimt
- Za’atar (Gewürzmischung aus Thymian, Sesam und Sumach)
Olivenöl ist außerdem ein zentrales Element vieler Gerichte.
Fattoush – Brotsalat mit dem Gewürz Sumach

Die Bedeutung der Meze-Kultur
Ein charakteristisches Merkmal der levantinischen Küche ist die Meze-Kultur.
Meze sind kleine Gerichte, die gemeinsam auf den Tisch gestellt werden. Ähnlich wie Tapas oder Antipasti ermöglichen sie es, viele verschiedene Speisen gleichzeitig zu probieren.
Typische Meze sind beispielsweise:
- Hummus
- Baba Ganoush oder Mutabbal
- Falafel
- Tabbouleh
- Fattoush
- gefüllte Weinblätter (Warak Enab)

Diese Esskultur betont das gemeinsame Teilen von Speisen und spielt eine wichtige Rolle im sozialen Leben.
Die Levantische Küche ist reich an pflanzenbasierten Lebensmitteln

Ein auffälliges Merkmal der levantinischen Küche ist ihr hoher Anteil an pflanzlichen Gerichten. Viele traditionelle Speisen sind von Natur aus vegetarisch oder vegan.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Landwirtschaftlich geprägte Ernährung
- Historisch begrenzte Verfügbarkeit von Fleisch
- religiöse Fastenperioden im Christentum und Islam
Fleisch wird zwar verwendet – häufig Lamm oder Huhn – spielt aber oft eher eine ergänzende Rolle.
Diese pflanzenreiche Ernährung gilt heute als besonders gesund und wird häufig mit der mediterranen Ernährungsweise in Verbindung gebracht.
Bekannte Gerichte der levantinischen Küche

Einige Gerichte aus der Levante sind inzwischen weltweit verbreitet und prägen auch die moderne vegetarische Küche.
Zu den bekanntesten gehören:
- Hummus – cremiger Dip aus Kichererbsen und Tahini
- Baba Ganoush / Mutabbal – Auberginen-Dip mit Sesampaste
- Falafel – frittierte Bällchen aus Kichererbsen oder Bohnen
- Tabbouleh – Kräutersalat mit Petersilie, Bulgur und Zitrone
- Fattoush – Brotsalat mit Gemüse und Sumach
- Shakshuka – Eier in würziger Tomatensauce
Viele dieser Gerichte lassen sich leicht kombinieren und werden oft als Teil einer Meze-Tafel serviert.
Die Levante in der modernen Küche

In den letzten Jahren hat die levantinische Küche weltweit an Popularität gewonnen. Köchinnen und Köche aus der Region haben traditionelle Gerichte neu interpretiert und international bekannt gemacht.
Bekannt geworden ist die Küche unter anderem durch:
- Restaurants der levantinischen Diaspora (historisch gewachsene Gemeinschaft von Menschen aus der Region der Levante, hauptsächlich aus Libanon, Syrien und Palästina)
- Kochbücher moderner Levante-Köche
- die wachsende Nachfrage nach pflanzenbasierter Ernährung
Heute gilt sie als modern, gesund und vielseitig, ohne ihre traditionellen Wurzeln zu verlieren.
Die levantinische Küche verbindet jahrtausendealte Traditionen mit frischen Zutaten und gemeinschaftlichem Essen. Ihre Stärke liegt in der Vielfalt kleiner Gerichte, aromatischen Gewürzen und der starken Rolle von Gemüse und Hülsenfrüchten.
Durch ihre Mischung aus Einfachheit, Geschmack und kultureller Tiefe hat sie sich längst zu einer der einflussreichsten Küchen der Welt entwickelt.
Ich wünsche dir viel Freude und Genuss mit der levantinischen Küche!


Sandra Strixner
ist eine Genussweltenbummlerin die gerne neue Länder und Kulturen entdeckt. Rezepte auf Pflanzenbasis zu entwickeln lässt ihr Herz höher schlagen. Sie ist ein Green-Networker und beschäftigt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungslehre und Tierschutz. Als geprüfte Fachberaterin für holistische Gesundheit darf sie Menschen dabei begleiten sich selbst zu heilen.
Quellen
- Albala, Ken (2011). Food Cultures of the World Encyclopedia. Greenwood.
- Roden, Claudia (2000). The New Book of Middle Eastern Food. Penguin Books.
- Tamimi, Sami; Ottolenghi, Yotam (2012). Jerusalem: A Cookbook. Ten Speed Press.
- Zubaida, Sami; Tapper, Richard (2000). A Taste of Thyme: Culinary Cultures of the Middle East. Tauris Parke Paperbacks.
- FAO (Food and Agriculture Organization). Mediterranean Diet and Regional Food Systems.
- Encyclopaedia Britannica. Levant – History and Geography.

