Zähne sind mehr als Kauwerkzeuge. Die Mundhöhle ist ein komplexes Ökosystem, in dem Milliarden von Mikroorganismen leben – und sie steht in engem Austausch mit unserem Immunsystem und dem restlichen Körper. Genau hier setzt Dr. Dominik Nischwitz mit seinem Buch In aller Munde an.
Der Zahnarzt und Heilpraktiker beschäftigt sich darin mit der Frage, welche Bedeutung Mundgesundheit, Mundflora, Ernährung und chronische Entzündungen für unsere Gesundheit haben können.
Für alle, die Gesundheit ganzheitlich betrachten möchten, bietet das Buch zahlreiche Denkanstöße.
„In aller Munde“ von Dominik Nischwitz
Warum die Mundgesundheit so wichtig ist
Wenn wir über Gesundheit sprechen, denken wir häufig an Ernährung, Darmgesundheit, Hormone, Schlaf oder Bewegung. Der Mundraum spielt dabei erstaunlich oft eine Nebenrolle.
Dabei ist die Mundhöhle der erste Abschnitt unseres Verdauungstraktes und gleichzeitig ein wichtiger Kontaktbereich zwischen unserer Umwelt und unserem Immunsystem.
Im Mund leben zahlreiche Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen. Diese Mundflora beziehungsweise das orale Mikrobiom erfüllt wichtige Funktionen. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Mikroorganismen zu beseitigen, sondern ein gesundes Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Gerät dieses Gleichgewicht aus der Balance, kann dies unter anderem die Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen begünstigen.
Was beeinflusst die Mundflora?
Unser orales Mikrobiom wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, unter anderem durch:
- Ernährung und insbesondere die Häufigkeit von Zuckerzufuhr
- Mundhygiene
- Speichelfluss
- Medikamente
- Rauchen
- Entzündungen
- Erkrankungen und Stoffwechselveränderungen
- individuelle Faktoren
Damit wird deutlich: Mundgesundheit beginnt nicht erst beim Zahnarzt.
Mundflora und Darm: Gibt es eine Verbindung?
Eine der interessantesten Fragen rund um das Thema ist der Zusammenhang zwischen Mund und Darm.
Die Mundhöhle und der Darm beherbergen jeweils komplexe mikrobielle Gemeinschaften. Jeden Tag gelangen zahlreiche Mikroorganismen aus dem Mund über den Verdauungstrakt weiter in den Körper.
In der Wissenschaft wird deshalb zunehmend untersucht, wie orale und intestinale Mikrobiome miteinander interagieren und welche Bedeutung die sogenannte Mund-Darm-Achse haben könnte.
Dabei sollte man allerdings vorsichtig sein: Aus einem Zusammenhang zwischen zwei biologischen Systemen lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine bestimmte Mundflora eine konkrete Darmerkrankung verursacht – oder umgekehrt.
Dennoch macht der Gedanke deutlich, warum es sinnvoll sein kann, den Körper nicht ausschließlich in einzelne Organe aufzuteilen.
Parodontitis: Wenn Zahnfleischentzündung mehr als ein lokales Problem ist

Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis und systemischer Gesundheit.
Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt kann sie zum Abbau des Gewebes und des Kieferknochens führen und letztlich Zahnverlust begünstigen.
Mehr zu den Ursachen und ganzheitlichen Lösungsansätzen bei Zahnfleischrückgang liest du hier – und wie Ölziehen bei Zahnfleischentzündungen unterstützen kann, erfährst du in einem weiteren Artikel.
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Studien, die Zusammenhänge zwischen Parodontitis und verschiedenen Erkrankungen beziehungsweise Risikofaktoren untersuchen.
Besonders häufig erforscht werden beispielsweise:
- Diabetes mellitus
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schwangerschaftskomplikationen
- chronische Entzündungsprozesse
Wichtig ist auch hier die Unterscheidung zwischen Assoziation und Ursache. Wenn zwei Erkrankungen häufiger gemeinsam auftreten, bedeutet das nicht automatisch, dass die eine Erkrankung die andere verursacht.
Trotzdem zeigt das Beispiel Parodontitis eindrucksvoll, warum die Frage „Was passiert eigentlich im Mund?“ für die gesamte Gesundheit relevant sein kann.
Ernährung und Zahngesundheit

Ein weiterer Schwerpunkt, der das Buch für ein Gesundheitsmagazin besonders interessant macht, ist die Verbindung zwischen Ernährung und Mundgesundheit.
Dass Zucker Karies begünstigen kann, ist bekannt. Entscheidend ist dabei nicht nur die Gesamtmenge, sondern auch, wie häufig die Zähne mit fermentierbaren Kohlenhydraten beziehungsweise Zucker in Kontakt kommen.
Für die Zahngesundheit spielen außerdem Speichel, Mineralstoffe, Mundhygiene und die individuelle Zusammensetzung des oralen Mikrobioms eine Rolle.
Das führt zu einer wichtigen Erkenntnis:
Gesunde Ernährung unterstützt nicht nur Stoffwechsel und Darm – sie beginnt gewissermaßen bereits im Mund.
Das Immunsystem sitzt nicht nur „im Darm“

Ein ganzheitlicher Blick auf Gesundheit bedeutet auch, die verschiedenen Barrieren unseres Körpers zusammenzudenken.
Die Mundschleimhaut bildet eine wichtige Schnittstelle zur Außenwelt. Gleichzeitig befindet sich dort ein großer Teil unseres mikrobiellen Lebensraums.
Entzündungsprozesse im Mund können deshalb Auswirkungen haben, die über den unmittelbaren Bereich der Zähne hinausgehen.
Nischwitz geht in In aller Munde noch einen Schritt weiter und stellt verschiedene Zusammenhänge zwischen Zähnen, Entzündungen, Immunsystem und chronischen Beschwerden her.
Gerade an diesem Punkt lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.
Wurzelbehandlung, Entzündungsherde und „tote Zähne“

Zu den kontroverseren Themen des Buches gehören die Aussagen rund um wurzelbehandelte Zähne, chronische Entzündungsherde im Kiefer und sogenannte NICOs.
Nischwitz vertritt hierzu eine deutlich kritischere Position als die konventionelle Zahnmedizin.
Für Leser:innen ist deshalb wichtig, zwischen drei Ebenen zu unterscheiden:
Was ist wissenschaftlich gut belegt? Zum Beispiel, dass bakterielle Infektionen im Mundraum Erkrankungen verursachen können und dass Parodontitis eine relevante chronisch-entzündliche Erkrankung ist.
Was wird wissenschaftlich diskutiert? Hierzu gehören verschiedene Hypothesen über langfristige systemische Auswirkungen bestimmter oraler Prozesse.
Was ist die spezifische Perspektive des Autors? Nischwitz vertritt teilweise weitreichende Thesen, die nicht gleichermaßen durch hochwertige wissenschaftliche Evidenz abgesichert sind.
Das Buch sollte deshalb eher als Anregung zur Auseinandersetzung mit dem Thema gelesen werden – nicht als Ersatz für eine individuelle zahnmedizinische oder ärztliche Diagnose.
Was ist „In aller Munde“ von Dominik Nischwitz?
In aller Munde ist ein populärwissenschaftlich ausgerichtetes Gesundheitsbuch, das die Bedeutung des Mundraums aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet.
Im Mittelpunkt stehen unter anderem:
- Mundgesundheit
- orale Mikrobiota und Mundflora
- Ernährung und Zahngesundheit
- Karies
- Parodontitis
- chronische Entzündungen
- Immunsystem
- Darmgesundheit
- wurzelbehandelte Zähne
- Materialien und Metalle im Mund
- Nährstoffversorgung
- Zusammenhänge zwischen Mund und Gesamtgesundheit
Damit richtet sich das Buch nicht nur an Menschen mit konkreten Zahnproblemen. Es ist auch für Leser:innen interessant, die verstehen möchten, welche Rolle der Mundraum für Prävention und ganzheitliche Gesundheit spielen kann.
Für wen lohnt sich das Buch?

In aller Munde könnte besonders interessant sein, wenn du dich fragst:
Kann meine Mundgesundheit meine Allgemeingesundheit beeinflussen?
Welche Rolle spielt die Mundflora für mein Immunsystem?
Was hat Ernährung mit Karies und Zahnfleischgesundheit zu tun?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mundflora und Darmgesundheit?
Warum sind chronische Entzündungen im Mund relevant?
Oder wenn du dich grundsätzlich für die Verbindung von Mikrobiom, Ernährung, Immunsystem und chronischer Entzündung interessierst.
Mein Fazit: Ein spannender Perspektivwechsel
In aller Munde lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Bereich, den wir bei ganzheitlicher Gesundheit leicht übersehen: den Mundraum.
Die Grundidee ist überzeugend: Unsere Zähne und unser Zahnfleisch sind nicht völlig unabhängig vom restlichen Körper. Mundflora, Entzündungsprozesse, Ernährung und Immunsystem stehen in biologischen Wechselwirkungen.
Gleichzeitig sollte man einige Aussagen des Buches kritisch einordnen. Besonders bei wurzelbehandelten Zähnen, chronischen Entzündungsherden und bestimmten systemischen Zusammenhängen geht Nischwitz teilweise über das hinaus, was derzeit wissenschaftlich eindeutig belegt ist.
Gerade deshalb kann das Buch aber ein interessanter Ausgangspunkt sein, um sich intensiver mit Mundgesundheit, Mikrobiom und der Verbindung zwischen Mund und Körper auseinanderzusetzen.
Denn vielleicht beginnt ganzheitliche Gesundheit tatsächlich an einem Ort, dem wir im Alltag erstaunlich wenig Aufmerksamkeit schenken: in unserem Mund.
Das Buch entdecken
In aller Munde – Dominik Nischwitz

Über die Autorin
Sandra Strixner
ist eine Genussweltenbummlerin die gerne neue Länder und Kulturen entdeckt. Rezepte auf Pflanzenbasis zu entwickeln lässt ihr Herz höher schlagen. Sie ist ein Green-Networker und beschäftigt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungslehre und Tierschutz. Als geprüfte Fachberaterin für holistische Gesundheit darf sie Menschen dabei begleiten sich selbst zu heilen.
Medizinischer Hinweis
Die hier aufgeführten Informationen dienen ausschließlich der Wissensvermittlung und stellen keine Heilversprechen oder allgemeingültige Empfehlungen dar. Des Weiteren ersetzen sie keinen Arztbesuch. Bitte wende dich bei Krankheiten und Beschwerden an einen Arzt oder Apotheker.
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