Yogalehrer Ausbildung in Indien – Mein Erfahrungsbericht


Schon bevor ich nach Indien aufbrach, stellte ich mir vor, dass die 200 Stunden Yogalehrer Ausbildung wohl die bisher größte sportliche Herausforderung meines Lebens werden könnte – und meine Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Hier erfährst du mehr über meine 4 Wochen in Goa Indien und was ich auf dieser Reise erlebt habe. Schnall dich an, denn es geht auf eine holprige Indien-Reise!

Zum Start dieser Yogareise verspreche ich mir selbst Geduld mit mir und meinem Körper zu haben. ❤️

Aus meinem Notzibuch 06.02.2020

Warum ich meine Yogalehrer Ausbildung in Indien gemacht habe

Seit 2015 praktiziere ich nun schon Yoga, mal im Studio, mal auf Festivals oder allein daheim. Die Begeisterung wuchs stetig an und das nicht nur für den Fitness-Anteil von Yoga, sondern auch für die Philosophie die hinter der Jahrtausende-Alten Tradition steckt. Ich habe eine Bucket-List auf der 100 Dinge stehen, die ich in meinem Leben mal gemacht haben möchte. Nordlichter sehen, alleine reisen und für eine Tierauffangstation arbeiten, durfte ich bereits erleben und von der Liste streichen. 2020 wurde ein weiterer großer Traum wahr: Ich durfte mich in dem Land, das als die Wiege des Yogas gilt zur Yogalehrerin ausbilden lassen.

Als ich Mitte Februar nach Indien aufbrach, gab es in den Nachrichten bereits ein paar Corona-News, doch noch waren sich die Experten nicht sicher wie gefährlich das Virus wirklich ist. Ich ließ mich nicht von meinem Vorhaben abhalten und verbrachte wie geplant vier Wochen in Indien. Wie sich herausstellte hätte ich auch keinen Tag länger bleiben sollen, die letzten regulären Flieger verließen das Land. Um zurückzukehren, musste ich statt auf drei Flughäfen auf fünf Flughäfen landen, weil meine ursprüngliche Route gecancelt wurde. Ich kam einen Tag nach dem ersten Lockdown wieder in Deutschland an – am 22.03.2020. Was entspannt startete war am Ende wirklich ein Rennen gegen die Zeit, bevor Indien die Pforten zu seinem Land ganz schloss.

Entspanne dich in die Pose hinein, statt dich hinein zu drücken.

Aus meinem Notizbuch 12.02.2020

Der Alltag im Yoga-Zentrum und in Agonda

Meine Ausbildung machte ich in Goa Indien, das gilt als einer der westlich aufgeschlosseneren Teile Indiens. Goa ist auch der Bundesstaat in dem sich die Hippies in den Siebzigern angesiedelt hatten und ihre berühmten psychodelischen und nudistischen Parties feierten. Diese Freizügigkeit habe ich dort nicht erlebt, aber ich konnte ohne großes Aufsehen zu erregen mit dem Bikini an den Strand gehen. Genau das, was ich für mein Freiheitsgefühl brauchte. In anderen Teilen Indiens ist es als Frau fast unmöglich kurze Kleidung zu tragen, die nicht die Schultern und zugleich die Knie bedeckt. Goa war für mich die erste Indienreise und ich glaube das war in meinem Fall auch die richtige Entscheidung.

Die Sampoorna Yogaschule befindet sich in Agonda, eine kleine Ortschaft im Süden Goas ca. 1,5 Std. vom Flughafen entfernt. Es war Februar als ich ankam und bereits jeden Tag bis zu dreißig Grad warm, der Sommer näherte sich und täglich wurde es ein wenig wärmer. Als ich Ende März zurückflog spürte man bereits, wie die Luft tropischer und drückender wurde. Jedem wetterempfindlichen Menschen würde ich wirklich raten im Winter nach Indien zu kommen, das verträgt sich besser mit dem täglichen Yoga-Programm.

Kühe in Indien am Strand von Agonda, Das Bild entstand während meiner Yogalehrer Ausbildung in Indien.
Foto: Sandra Strixner

Nicht nur die Menschen sondern auch die frei umher laufenden Kühe fühlten sich am Strand wohl.

Die Yogalehrer-Ausbildung – Inhalte und der Stundenplan

Packe mal 200 Stunden in 3 Wochen.* Wer die Rechnung macht, wird feststellen: Das wird eng! So war es auch, wir hatten zwischen 8 bis 10 Stunden Tage, Samstags einen halben Tag und Sonntags frei. Wir lernten Ashtanga-Yoga, Vinyasa-Yoga, Philosophie, Atemübungen (Pranayama), Meditation und zum Ausgleich bekamen wir auch mal eine Yin-Yoga-Stunde, einen Animal-Flow oder eine Acro-Yoga-Stunde. Die korrekte Ausrichtung des Körpers in jeder Pose und das Korrigieren der Studenten waren eigene Fächer.

* Ich war 3 Wochen in Ausbildung und eine weitere Woche in Indien auf Reisen, also insgesamt 4 Wochen in Indien.

Warum es manchmal ok ist auch nur 60% zu geben

Nach der ersten Woche Yogalehrer Ausbildung machte sich ein Gedanke in meinem Kopf breit: „Für wen mach ich das nochmal?“

Steife Gliedmaßen, Muskelkater, tropischer Luftfeuchtigkeit bei 32 °C und nur wenige Stunden Schlaf plagten mich. Die Antwort aus meinem Inneren kam prompt: „Natürlich mache ich dies für mich und niemand anderen. Ich will die Yogaausbildung zwar durchziehen, aber bitte nicht völlig ausgebrannt nach Deutschland zurückkommen!“

So gab es manche Tage an denen ich die Übungen nur zu 60%, 80% oder mal 90% mitmachte. Ich versuchte meine persönliche Tages-Bestform abzugeben, ohne mich jede Sekunde über meine Grenzen hinaus anzustrengen. Am Ende ist es nicht wichtig, ob du einen perfekten Tag abgeliefert hast. Eine Yogalehrerausbildung ist für mich eher wie ein Marathon zu sehen, du musst dir deine Kräfte gut einteilen und nicht jede Teil-Strecke Vollgas geben.

Dein Körper ist dein größter Lehrer!

Aus meinem Notizbuch 24.02.2020

Eines meiner Aha-Erlebnisse hatte ich bei einer Vorwärtsbeuge im Sitzen. Trotz meiner jahrelangen Übung im Yoga war nicht fähig meine Füße zu umfassen in dieser Pose. Meine Hüften waren steif und mein unterer Rücken ebenfalls. Ich hatte mich von selbst nie auf die Reise begeben diese Steifheit zu hinterfragen, doch als ich mich im Yogaübungsraum umsah und gefühlt alle weiter als ich waren, fiel mir das überhaupt erst auf. Wir Menschen neigen dazu uns mit anderen zu vergleichen, weil wir immer nach der besten Option für uns Ausschau halten wollen. Wenn du Neid spürst, ist das lediglich ein Indikator dafür, dass du dasselbe möchtest wie dein Nebenmann / deine Nebenfrau.

Ich gewöhnte mir an, den Blick weniger schweifen zu lassen bei der morgendlichen Ashtangapraxis und mehr bei mir zu bleiben. Außer wenn ich vielleicht etwas nicht verstand, dann blickte ich natürlich zu unserer Yogalehrerin oder zu den anderen im Raum. Diese tiefe Innenschau brachte mich auf Antworten die ich im Außen niemals gefunden hätte. Ich war steif und wie erstarrt, irgendwas blockierte in mir und machte mich unbeweglich. Ohne in meinem Unterbewusstsein kramen zu müssen wusste ich sofort welches Traumata ich noch zu verarbeiten hatte. Ich würde nicht sagen, dass die Yogaausbildung alles heilen konnte, viel eher hatte sie fest verschlossene Tore geöffnet und Schmerz durfte dann später abfließen.

Ein Traumata kann ein oder mehrere Erlebnisse bezeichnen, welche unsere Grenzen der Belastbarkeit sprengen. Alles was wir nicht verarbeiten konnten in einem Schockmoment, speichert der Körper für später, ins sogenannte Körpergedächtnis. Das macht uns steif und führt manchmal sogar zu Schmerzen. Irgendwann wenn die Zeit reif ist und wir genügend Kapazitäten haben, kommt das Thema an die Oberfläche gesprudelt und Stück für Stück darf der Verarbeitungsprozess beginnen.

Am Ende der dreiwöchigen Ausbildung konnte ich entspannt meine Füße in der sitzenden Vorwärstbeuge umfassen. Ich sollte zwar noch länger brauchen, um mein Traumata aufzuarbeiten, doch der Anfang war getan, die Pforten waren geöffnet und mein Körper hielt nicht mehr krampfhaft an der Vergangenheit fest. Natürlich können unsere Körper auch steif werden wenn wir sie nicht bewegen oder wenn wir Fehlhaltungen haben. In meinem Fall bin ich überzeugt davon, dass die psychische Komponente den größten Faktor für meine Beschwerden ausmachte. Achte mal selbst auf dein Bauchgefühl, wenn du Schmerzen und Steifheit im Körper spürst. Woher könnte das kommen? Und warum schmerzt gerade diese Stelle?

Körperlich und geistig bin ich flexibler geworden. Ich muss nicht kämpfen – wenn ich mit der Flut und der Ebbe des Lebens schwimme, dann verliere ich keine Energie mehr.

Aus meinem Notizbuch 14.03.2020

Gibt es Feste, Feiern und Entspannung während der Yogalehrer Ausbildung?

Ja, Anlässe zu feiern gab es natürlich auch! In den Zeitraum meines Aufenthalts fiel das Holi-Festival. Das Holi-Festival ist ein hinduistisches Fest, bei dem der Sieg des Guten über das Böse gefeiert wird. Wir lachten, tanzten und rieben uns gegenseitig mit dem Farbpuder ein, bis es gefühlt keine freie Stelle mehr an unserer Haut und der Kleidung gab!

Das Farbbaden war eine willkommene Abwechslung zum streng nach Plan laufenden Yogaalltag. Danach sprangen wir zur „Abkühlung“ ins nahe gelegene 25°C warme Meer.

Yogalehrer Ausbildung in Indien
Foto: Sampoorna Yoga Indien

Da wir Sonntags frei hatten, nutzten wir die Zeit für einen Ausflug nach Cola. Das ist ein schöner Strandabschnitt mit angrenzender Süßwasserlagune. Um dorthin zu kommen, mussten wir erst einmal ein Boot nehmen.

Yoga Ausflug nach Cola
Der Strand in Cola

Ein Schiff ist sicher im Hafen, doch dafür werden Schiffe nicht gebaut.
Dein Körper ist dazu gemacht sich zu bewegen, er ist dafür gemacht sich zu verändern. Wachstum passiert, wenn du dir erlaubst durch schwierige Situationen zu wachsen, anstatt dich von ihnen lähmen zu lassen. Die Sicherheit die du suchst reist immer mit dir – in Form deiner Präsenz im Hier und Jetzt und in Form deines inneren Wertekompasses.

Aus meinem Notizbuch 19.03.2020
Ausflug der Yogaschüler nach Cola, Bild der Lagune am Strand.
Lagune beim Strand in Cola

Wie bin ich als Veganerin in Indien zurecht gekommen?

Essen im Yogazentrum

Das Essen im Yogazentrum wurde immer in Buffetform gereicht, es war komplett vegetarisch. Vegane und glutenfreie Gerichte wurden ausgewiesen. Als Milchalternative gab es Sojamilch. Ich war sehr glücklich mit dem Angebot. Die Küche konnte sowohl geschmacklich, als auch mit der Qualität der Speisen überzeugen.

veganes Essen in der Yogalehrer Ausbildung
veganes Frühstück in Indien
Soja Chai Masala

Essen in Agonda und der Umgebung

Am Wochenende waren wir außerhalb des Yogazentrums essen. Die Restaurants in Goa hatten auch für mich als Veganerin einiges zu bieten. Die indische Küche ist im Allgemeinen sehr vegetarierfreundlich und deshalb gab es für mich immer reichlich zu probieren. Käse ist meist klar erkennbar in Gerichten, Butter manchmal in Soßen versteckt. Frage einfach nach, falls du genau wissen möchtest was in deinem Essen verarbeitet wurde.

Rohkostkuchen
vegane Restaurants in Indien
vegan leben in Indien
Vegan essen in Indien

Die guten und die weniger angenehmen Erfahrungen in der Yogalehrerausbildung

Die unangenehmen Seiten meiner Yogalehrer Ausbildung:

  • Starke und ständige Muskelschmerzen plagten mich, da half nur einmal wöchentlich eine Massage zu buchen. Die Frage ist welche Massage? Eine Entspannungsmassage mag sich zwar gut anfühlen aber wird den verklebten Faszien wenig nutzen. Es muss schon eine Massage sein, die auch die Muskeln und das Bindegewebe lockert.
  • Am Wochenende vor den Prüfungen mussten wir lernen, so blieb kaum Freizeit übrig. Wieder einmal wurde mir klar – eine Yogaausbildung ist eben kein Urlaub.
  • Das Fach Anatomie hätte spannender unterrichtet werden können, oder war es vielleicht mein voller Magen und meine Müdigkeit nach dem Essen, der mich motivationslos zurückließ?
  • Die gesamte Ausbildung war auf Englisch, deswegen musste ich einige Wörter zum Unterrichten erst noch auf Deutsch nachlernen.
  • Unser Yogashala (Yogaunterrichtsraum) war auf einer Anhöhe, wirklich ein schöner Ausblick – doch anstrengend mit Muskelkater mehrfach am Tag dort hoch zu laufen.
Yogalehrer Ausbildung in Goa Indien.
Yogalehrer Ausbildung bei Sampoorna Yoga Goa Indien

Die schönsten Erlebnisse in meiner Yogalehrer Ausbildung:

  • Das Holi-Festival und die geballte Frauen Power in unserer Gruppe.
  • Die wöchentliche Ganzköpermassage die mir bei der Regeneration geholfen hat.
  • Die unterstützenden Lehrer und Lehrerinnen.
  • Das hervorragende Essen.
  • Philosophie und SatSang waren definitiv meine Lieblingsthemen, die Geschichte hinter Yoga kennenzulernen war wichtig für mich.
  • Beim Student Teaching, gingen wir wirklich ans unterrichten, zuerst in der Theorie dann in der Praxis in kleinen Gruppen. Das hilft Selbstvertrauen für das zukünftige Unterrichten aufzubauen.
  • Die vielen freilaufenden Kühe die einfach machen durften was sie wollten.
  • Es machte mir Freude meine eigenen Yoga-Flows zu entwickeln.
Freiumherlaufende Kühe in Indien
Yogalehrer Ausbildung in Indien.
Die frischgebackene Yogalehrerin vor der untergehenden Sonne am Strand.

Unsere Abschlussprüfung zum Yogalehrer / zur Yogalehrerin

Für die praktische Prüfung unterrichteten wir eine kleine Gruppe mit einem von uns erstellten Yoga-Flow. Die schriftliche Prüfung enthielt Fragen zu allen Themen die unterrichtet wurden: Anatomie, Philosophie, korrekte Ausrichtung der Yoga-Posen, Namen der Yogaposen in Sanskrit, usw.

Abschluss Zeremonie in Indien nach der Yogalehrer Ausbildung.
Foto: Sampoorna Yoga Indien


Wie zufrieden bin ich mit meiner Yogalehrer Ausbildung in Indien?

Auch wenn es wirklich viele Eindrücke aufeinmal waren und ich mir mehr Zeit für die vermittelten Inhalte gewünscht hätte, ich bereue nichts! Ich habe erlebt, was ich erleben sollte. Ziehe aus guten und schlechten Erfahrungen meine Lehren. Bin meinen persönlichen Prozess durchlaufen. Wenn du dich für eine ähnliche Reise und Ausbildung entscheiden solltest, wirst du wahrscheinlich andere Erfahrungen machen. Sei dir im klaren, dass du nichts verlernen kannst was du selbst entdeckt hast und erlebt hast, wenn sich bestimmte Türen öffnen und du diese durchläufst wird sich einiges in deinem Leben verändern.

Was auch immer in meinem Leben geschieht, ich habe gelernt mich durch den Schmerz durchzuatmen, das es ok ist während der Meditation auch mal an Essen, Schlaf oder Sex zu denken und das Yoga so viel mehr ist als einen biegsamen Körper zu haben!

Ich bin dank Yoga mehr in Kontakt und Liebe mit meinem Körper, meinen Gefühlen und meinem Atem. Die Yogis sagen, jede(r) von uns hat nur eine bestimmte Anzahl von Atemzügen zur Verfügung in seinem/ihrem Leben. Deswegen atme tief und langsam, um mehr Zeit und Genuss im Leben zu finden. Alles Liebe,

Yogalehrerausbildung in Indien

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Sandra Strixner

ist eine Genussweltenbummlerin die gerne neue Länder und Kulturen entdeckt. Rezepte auf Pflanzenbasis zu entwickeln lässt ihr Herz höher schlagen. Sie ist ein Green-Networker und beschäftigt sich mit Persönlichkeitsentwicklung, Ernährungslehre und Tierschutz. Als geprüfte Fachberaterin für holistische Gesundheit darf sie Menschen dabei begleiten sich selbst zu heilen.


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